Bericht aus dem Helferkreis

Das Jahr 2016 war für unsere neuen Mitbürger ein entscheidendes Jahr: 11 von unseren 13 Asylbewerbern bekamen ihren positiven Bescheid vom Bundesamt für Migration: Ihrem Asylantrag wurde stattgegeben und sie erhielten eine Aufenthaltserlaubnis für drei Jahre. Sie sind jetzt keine Asylbewerber mehr, sondern tragen die offizielle Bezeichnung „Flüchtling“. Zwei von ihnen warten noch sehnsüchtig auf ihren Bescheid, da sie aber auch aus Eritrea stammen, ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis auch sie – endlich – ihre Anerkennung bekommen. Nach dieser langen Zeit des Wartens (mindestens ein Jahr bis inzwischen eineinhalb Jahren) ist die Erleichterung sehr groß, eine Bleibeperspektive zu haben. Man kann davon ausgehen, dass sich die politischen Verhältnisse (Militärdiktatur) in Eritrea nicht grundlegend ändern und in drei Jahren ähnliche Bescheide ergehen werden.

Um diesen jungen Männern deutlich zu machen, wie unser Gesellschaftssystem funktioniert, wie es sich mit Schule und Ausbildung verhält, haben Peter Ribinski und Erwin Hopf eine Informationsveranstaltung organisiert. (Dank an den Burschenverein für das Überlassen der Hütte!) Sie konnten Frau Frewoin Tesfaldet aus München als Dolmetscherin gewinnen. Frau Tesfaldet stammt ursprünglich aus Eritrea, lebt nun schon seit 30 Jahren in Deutschland, ist verheiratet, hat zwei erwachsene Kinder und engagiert sich im Flüchtlingsverein in München. Da sie beide Länder und Kulturen kennt, war es eine große Hilfe, die nicht immer leicht verständlichen deutschen Fachausdrücke bei diesem Vortrag in Tigrinyazu übersetzen. So bekamen die Flüchtlinge einen Einblick, wie die Leistungsgesellschaft in Deutschland „funktioniert“ und welche Bedeutung zunächst der Spracherwerb hat und später auch Ausbildung und Beruf für eine tragfähige Perspektive wichtig sind. Das war für die jungen Männer aus Eritrea sehr eindrücklich und sie haben großes Interesse, eine Ausbildung zu machen. Davor steht die harte Arbeit, die deutsche Sprache zu erlernen. Acht von ihnen besuchen zurzeit einen Integrationskurs und in einigen Tagen müssen sie zum Abschluss die B1- Prüfung ablegen. B1 ist auf der sechsstufigen Skala des europäischen Referenzrahmens zur Einteilung von Sprachniveau bereits die dritte Stufe und damit schon weit fortgeschritten. Die anderen fünf besuchen seit Schulbeginn im September eine Berufsintegrationsklasse, die mit dem Mittelschulabschluss enden wird. Alle sind somit auf einem guten Weg, Voraussetzungen zu schaffen, sich in unsere Gesellschaft zu integrieren und auf eigenen Füßen stehen zu können.

Wir sieben Paten stehen ihnen in allen Fragen zur Seite, helfen im Moment besonders bei den Prüfungsvorbereitungen, daneben versuchen wir für sie Wohnraum anzumieten und Arbeitsstellen zu finden, damit sie auch finanziell unabhängig sein können. Das gestaltet sich aber sehr schwer und negative Erfahrungen zeigen ihnen, dass es ein langer Weg ist, bis sie endgültig hier in Deutschland angekommen sind. Auf diesem Weg wollen wir sie weiter begleiten.